Die Schematherapie kann bei einer Vielzahl an Problemen und Störungsbildern verwendet werden, insbesondere auch wenn mehrere Diagnosen vorliegen:
- Sucht/Drogenabhängikeit
- Depression
- Jede Persönlichkeitsstörung
- Angststörung
- Psychotiker ohne Akutsymptomatik
- ADHS
- Zwangsstörungen

Auszuschließen ist die Schematherapie bei
- akuten suizidalen Zuständen
- schweren kognitiven oder Konzentrationsstörungen
- akuten psychotischen Zuständen
- hirnorganischen Erkrankungen (z.B. Demenzen)

Es sollten also die Grundvorrausetzungen jeder Psychotherapie erfüllt sein.

Die schematherapeutische Diagnostik erfolgt durch den YSQ, der Schemata erfragt und den SMI, der die Modi beschreibt.

Ziele:
- mit sich besser klar kommen,
- Selbstwertstabilisierung
- den Umgang mit anderen verbessern
- Beziehungsgestaltung verbessern
- Traumatherapie
- mit Gefühlen besser umgehen
- Emotionsregulation verbessern
- lernen abstinent zu werden
- selbstsicherer werden
- meine Depression verbessern
- Komorbiditätsbehandlung
- u.v.a

1. Erarbeitung des Modusmodells als Grundlage für den weiteren Prozess
a. Die auslösende Situation
Alle inneren und äußeren Situationen, die starke Emotionen auslösen können (Triggerreize): Konfliktsituationen, andere Menschen, sich ignoriert fühlen, sich angegriffen fühlen, sich ungerecht behandelt fühlen, Schimpfwörter, Hausaufgaben, Erinnerungen, eigene Bewertungen und Gefühle, Bilder, Gesten, Gerüche, Geräusche…

b. Innere Kinder (primäre Gefühle und Bedürfnisse)
i. Verletztes Kind: verletzt, einsam, hilflos, traurig, ängstlich, unsicher … (nicht: Schuld = Bewertung und Unterordnung)
ii. Wütendes Kind: bockig, trotzig, wütend, enttäuscht (= Wut und Trauer)…
iii. Grundbedürfnisse wie spielen wollen, Geborgenheit haben wollen, Schutz brauchen, Sicherheit brauchen, die Welt entdecken … Kontrolle, Bindung, Lustgewinn/Unlustvermeidung, Selbstwerterhöhung (Grundbedürfnisse werden oft über die Bewältigungsmechanismen kompensiert, da sie real durch die Eltern/and. Bezugspersonen und durch Bewerter nicht erfüllt wurden und heute nicht werden können)

c. Innere Eltern oder Bewerter (internalisierte gelernte Handlungen und Bewertungen relevanter Bezugspersonen)
i. Innengerichteter Bewerter: „Du bist nichts wert. Du machst alles falsch. Du interessierst nicht. Wenn du heulst, geb ich dir einen Grund zum heulen. Wenn du heulst mußt du raus gehen. Für dich ist keiner da. Niemand interessiert sich für dich. Du bist egal. Du bist schuld. Schäm dich und geh in die Ecke. Solange du deine Füße unter meinen Tisch steckst … . Du mußt immer alles richtig machen, immer besser als die anderen sei. Männer heulen nicht.“ oder „Du bist der Größte, der Schönste. Du allein machst immer alles richtig. Du bist der Mittelpunkt der Welt. Ohne dich läuft nichts. …“
ii. Außengerichteter Bewerter: „Die anderen sind besser/schlechter als ich. Was die sich einbilden… . Die Schweine. Arschloch… alle möglichen Schimpfwörter. Du kannst niemandem vertrauen. Niemand ist für dich da.“

d. Bewältigung (Überlebensstrategien: kurzfristig sinnvoll, langfristig schädlich)
i. Unterordnung: alles erdulden, was der andere macht, sich umbringen wollen, leiden, Depression, sich die Schuld für alles geben, sich schämen, sich schlagen lassen, sich ständig entschuldigen …
ii. passive Gefühlsvermeidung: Mauern, „Nö, hab ich nicht. Ist nicht so. Nein.“ Distanzierter Beschützer, ärgerlicher Beschützer, Depression, Flucht, Vermeidung, Rückzug, Zwänge
iii. Aktive Selbstberuhigung: Drogen, Alkohol, Selbstverletzung, übermäßig Quatsch und Blödsinn machen, Clownsanteile, kaufen, Konsum
iv. Überkompensation: zwanghafte Ordnung und Pedanterie, Angriff, anschreien, Gewalt, andere abwerten narzisstisch sein, paranoid-mißtrauisch

e. Der Gesunde Erwachsene (kurzfristig eventuell unangenehm, weil ungewohnt oder anstrengend, langfristig nützlich):
i. Allgemeine Aufgaben: das innere Kind versorgen, die Bewerter entmachten, die Bewältigungsanteile kontrollieren und mit ihnen gemeinsam arbeiten; den Kontakt mit der Umwelt regulieren, Selbstregulation
ii. Umgang mit dem inneren Kind: das Kind trösten, das Kind wahrnehmen, das Kind annehmen, das Kind begrenzen, mit dem Kind reden, Hobbies nachgehen, die Bedürfnisse des Kindes erfüllen
iii. Den Bewerter entmachten: Bewertungen ignorieren, Bewertungen stoppen und positive oder hilfreiche Selbstverbalisationen formulieren und aussprechen, imaginativ und aktiv Bewerter zerstören
iv. Der Unterordnung entgegenwirken: den Sinn der Unterordnung verstehen und annehmen (oft: Harmreduction oder Bindung verwirklichen), diesen Anteil zurückhalten (es z.B. immer allen recht machen wollen), die Bedürfnisse des Kindes nach Bindung angemessen umsetzen, erwachsen Konflikte austragen, wenn andere Bedürfnisse des Kindes verletzt werden; innere Bewertungen wie „Du bist schuld.“ entgiften, z.B. „Als Erwachsener habe ich Verantwortung, das Kind von damals konnte nichts dafür.“
v. Der passiven Gefühlsvermeidung entgegenwirken: stehen bleiben, den Sinn der Mauer verstehen, ein Loch in die Mauer machen und durch schauen, die Mauer soweit abtragen wie es nützlich ist und nicht gefährlich ist; Konflikte erwachsen regeln,
vi. Der aktiven Selbstberuhigung entgegenwirken: das Kind anderweitig versorgen und dessen Bedürfnisse ernst nehmen
vii. Der Überkompensation entgegenwirken: klare Grenzen setzen und zurückhalten, außengerichtete Bewerter entkräften und vernichten; Konflikte erwachsen klären

f. Das glückliche Kind: Grundbedürfnisse ausleben lassen, fördern

2. Beobachtung innerer Anteile im Alltag

a. Modusprotokoll
b. Bilder von inneren Anteilen malen mit Stiften oder verbal
c. die Anteile immer wieder und konsequent benennen: „Sie sind jetzt im ….“
d. Tagebuch über innere Anteile führen
e. …

3. Durchführung von Imagination: imaginatives Überschreiben
- über aktuelles Gefühl in biographische Erinnerung hineinversetzen
- das Drehbuch der erinnerten Situation verändern und die Situation zu einem guten Ausgang führen
- Täter entmachten und inneres Kind versorgen

4. Durchführung von Stühlearbeiten
- Ausgangslage sind aktuelle Gefühle und Bewertungen, die sich auf das hier und jetzt beziehen und wo die Modi aktiv sind
- innere Anteile werden auf verschiedene Stühle gesetzt und es werden Dialoge zwischen den inneren Anteilen gefördert, dabei wechselt der Klient immer wieder die Anteile/Stühle
- Ziel ist es auch wieder das innere Kind durch den Gesunden Erwachsenen optimal zu versorgen und Bewerter zu konfrontieren

5. Schemamemo oder Beateübung
a. Analyse von problematischen Situationen ähnlich Modusprotokoll im Alltag
b. BEATE:
B – benennen (des Schemas, des Modus)
E – erkennen
A – anerkennen (validieren)
T – trennen (Vergangenheit von Gegenwart)
E – einbrennen des Neugelernten

6. Hausaufgaben, die die Anteile betreffen
a. Beobachtungsaufgaben wie unter 2.
b. Zuwendung Kind über kleine Imaginationen
c. entsprechende Literatur lesen
d. innere Dialoge führen sowohl gegen Bewerter als auch mit Kind
e. dem Kind Geschenke machen, was Gutes tun
f. Schemamemo/BEATE
g. Postkarten, Botschaften, Videoaufnahmen, Tonbandaufzeichnungen, Übergangsobjekt
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