Systemisch-Psychologische Beratung

Die systemische Richtung entstand in den 50ger Jahren und ist neben der Psychoanalyse, der Tiefenpsychologie, der Verhaltenstherapie und anderen Verfahren ein Beratungs- und Therapieansatz mit theoretischen Überlegungen (Systemtheorie, Sprachtheorie, Konstruktivismus) und daraus resultierenden praktischen Verfahrensweisen. Ihre Wirksamkeit wurde wissenschaftlich belegt.

Einige theoretische Grundannahmen:

  • Der einzelne Mensch ist ein System (aus Körper, Seele, Geist, Kognitionen, Emotionen usw.) und ist Teil eines Systems (z.B. Familie, Arbeitsteam, Paarbeziehung, Firma ... auch Kontext). In Systemen wird über Sprache und Interaktion kommuniziert.
  • Sprache ist mehrdeutig, d.h. abhängig vom Betrachter kann ein und dasselbe Wort verschiedene Bedeutungen haben, z.B. unterschiedliche affektive oder mit unterschiedlichen Erlebnisinhalten verknüpfte Bedeutungen.
  • Es gibt nicht die eine Wirklichkeit. Wirklichkeit ist Ausdruck der Kommunikation eines Systems und abhängig von den Mitgliedern.
  • Systeme sind nicht einfach linear (Reiz - Reaktion) aufgebaut, sondern vielfältig und komplex vernetzt.
  • Systeme streben nach Gleichgewicht. Ein System kann sich auch über ein Problem stabilisieren. 
  • Entwickelt sich in einem System ein Zustand, der als problematisch empfunden wird, kann es zu einer Fixierung des Systems auf das Problem kommen (Gleichgewicht). Ein Großteil der Kommunikation und Interaktion richtet sich dann auf das Problem, wobei andere Aspekte (z.B. Lösungen) vernachlässigt werden.
  • Derjenige, der ein Symptom entwickelt, wird als Indexklient bezeichnet. Das Symptom weist auf Störungen der Kommunikation/Interaktion im System hin.
  • Damit sich Systeme neu organisieren können, sich verändern können, ist ein hinreichend großer, aber nicht zu großer Impuls/Unterschied notwendig.
  • Es kann nicht berechnet werden, welcher Impuls genau zu welcher Veränderung führt, weil Systeme komplex aufgebaut sind.
  • Impulse können an verschiedenen Stellen von Systemen zu Veränderungen führen. 

Beraterische/Therapeutische Grundhaltungen:
  • Neugier (Der Berater kann nicht alles wissen, sondern fragt nach individuellen Bedeutungen.)
  • Allparteilichkeit oder Neutralität (Alle Mitglieder eines Systems sind gleichwertig wichtig.)
  • Respektvoller Umgang mit den Klienten. (Der Klient steht im Vordergrund.)
  • Respektlosigkeit gegenüber Ideen, Problemen, Lösungen usw. (Es gibt immer mehrere Möglichkeiten und Sichtweisen.)

Praktisches Vorgehen:

Ziel systemischen Vorgehens ist es, vom Problem (Problemsprache, problematische Verhaltensweisen, Problemsystem) zur Lösung (Lösungssprache, günstige Verhaltensweisen, Lösungssystem) zu gelangen und den KlientInnen Anregungen und Impulse mitzugeben, die Sie zur Veränderung aufgreifen können. Initial für diese Veränderungprozesse sind die Zielvisionen und -vorstellungen der KlientInnen.
Dabei können verschiedene Methoden (vom Gespräch bis zur Aufstellung) zum Einsatz kommen und alle Systemmitglieder einbezogen werden, die zur Lösung beitragen möchten. In der Arbeit mit EinzelklientInnen wird das jeweilige System über Fragen und andere Methoden einbezogen.